Das Vereinsjahr 2025 war eines der vielen Emotionen. Bereits im Jahr 2024 zeichnete sich ab, dass das Wuchern, wie man sich das einmal vorgestellt hatte, wohl nicht stattfinden kann. Obwohl die Visionen zu Ideen wurden, Ideen zu Projekten, Projekte zu Bauplänen, wurden die kreativen Macherinnen und Wucherer auf die Probe gestellt. Aufgrund von Einsprachen mussten neue Ideen weiterziehen und konnten nicht im Lattich keimen. Das schmerzt und Chancen wurden verpasst. Bereits stark verwurzelten Lattichianerinnen und Lattichianern wehte ebenfalls ein rauer Wind entgegen, was dazu führte, dass einige ebenfalls den Kopf für neue Projekte frei machten. Was heisst das konkret? Es wurden gemeinsam verschiedene Szenarien entwickelt – von der Auflösung des Vereins über eine personelle Veränderung war vieles dabei.
Im Sommer 2025 trat dann der gesamte Vorstand zurück – auch das Tagblatt berichtete darüber. Die Resonanz auf den Artikel zeigte, dass die Sympathien für den Lattich nach wie vor sehr gross sind. Der Verein wurde als Vehikel für die Pacht des Umlandes behalten. Im Winter 2025 zügelte dann Hannes Rutishauser seine „Sparking Ranch“ und mit ihm das zweitletzte Projekt des Vereins Lattich. Es stellte sich die Frage: Was ist der Verein Lattich überhaupt noch? Jede Brache bringt zähe und zarte Pflanzen gleichermassen hervor. So konnte der Vorstand Mitte 2025 neu besetzt werden: Adelheid Karli (Co-Präsidium, Vertreterin von HEKS-Gärten), Florim Sabani (Co-Präsidium, Vertreter vom UrbanenGrünAtelier UGA), Fiona Schlumpf (Kassierin, Vertreterin von HEKS-Gärten) und Mélanie Hangartner (Kommunikation).
Ebenfalls grosse Freude hat uns bereitet, dass das Restaurant mit dem Ladengeschäft im Erdgeschoss wieder besetzt wurde. Sandra König hat den Unverpacktladen ‚GanzOhni‘ aus dem Quartier St.Georgen übernommen und ist damit zu uns in den Lattich gezogen. Somit ist es seither wieder möglich, bei einem feinen Kaffee und einem Stück Kuchen einen Schwatz zu halten im Lattich.
Mit dem HEKS-Gartenprojekt und dem UrbanenGrünAtelier bespielen integrative Gartenprojekte den Lattich-Aussenraum und die Wucherzone. Und ganz nach Stahlbergers Motto „Jedä Scheiss isch ä Chance“ wagte der Verein einen neuen Anlauf punkto Baugesuch. Dieses Baugesuch, welches nur die jetzigen Gartennutzungen umfasst, konnte Ende 2025 bei der Stadt eingereicht werden. Dabei durften wir auf das Know-How von Christine Egli zurückgreifen. Selbstverständlich hat Alex Keller auch gegen das neue Baugesuch Einsprache erhoben. Ein Entscheid der Stadt steht noch aus – wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir diese Baubewilligung der Stadt erhalten werden.
So oder so hat der Verein mit viel Lust und Freude die Planung eines Lattich – Gartenfestes an die Hand genommen. So laden am 08.08.2026 die Gärten von HEKS, UrbanesGrünAtelier, alle Zwischenorte und Allmenden und das GanzOhni zu einem Jubiläumsfest zum 10-jährigen Bestehen des Vereines ein. Und dort wo der Verein letztes Jahr mit sich selbst beschäftigt war, sprangen die Mitglieder und Anwesenden im Lattich in die Bresche. Flohmarkt im Lattich, Deutsch sprechen zwischen Blumen und Gemüse, Laufen im Kreis mit Ping und Pong, Les Digitales Festival St.Gallen, Lattich Gartenfest, Spielenachmittage der Rule Factory, Designweek – dieser kleine Auszug aus dem monatlichen Newsletter zeigt, dass nach wie vor vieles geht im Güterbahnhofareal.
Nicht jede Vision wird zum Projekt. Und manchmal werden Dinge zu Projekten, wo es gar keine Vision gab. Der Vorstand lotet auch im Jahr 2026 Möglichkeitsräume aus und wuchert dort, wo keine Einsprachen möglich sind. Wir freuen uns auf ein aufregendes 2026!
Florim Sabani / Adelheid Karli / Christine Egli